Wie ihr wisst, beschäftige ich mich seit einiger Zeit mit dem Thema Umwelt und Nachhaltigkeit. Zwangsläufig stolpert man dabei auch über das Thema Veganismus, da mit diesem Lebensstil weniger Treibhausgase produziert werden, was auf lange Sicht gesehen die Umwelt schont. Da ich auch vielen Bloggern*innen folge, die Veganismus tagtäglich leben und auch zeigen, wie leicht das sein kann, habe ich mir gedacht, das muss ich auch mal ausprobieren. Folgt man dem Trend gibt es dafür sogar jedes Jahr die Aktion „Veganuary“. Heißt also man lebt im Januar vegan und bekommt auch in dieser Zeit viele verschiedene Tipps von Veganern*innen.
Natürlich gibt es noch viel mehr Gründe vegan/vegetarisch zu leben. Nicht nur die Umwelt, sondern auch Tierwohl und sogar gesundheitliche Gründe können eine Rolle spielen.
Ich hatte letztes Jahr leider den Veganuary verpasst, also startete ich mein kleines Experimetn erst im März und auch erstmal nur für eine Woche. Dazu muss man sagen, bis dahin hatte ich mich noch nie mit diesem Thema beschäftigt und fühlte mich bereits schon beim Entschluss etwas überfordert.
Schlussendlich lief aber alles ganz gut. Ich habe ganz viele neue Rezepte ausprobiert und sogar ein eigenes Brot gebacken. Und wenn man dann mal auf das vegan Label achtet, merkt man wie viel mittlerweile im Supermarkt zu finden ist. Ganz entgegen dem Klischee, dass alle Veganer*innen nur Salat essen. Dennoch bin ich auch auf ein paar Schwierigkeiten gestoßen (wer hätte es auch anders erwartet). Milchpulver ist hier das Stichwort. Wieso ist das bitte überall mit drin? Mit Palmöl das Gleiche. Dann ist mir aufgefallen, dass nicht alle Sachen, die in der Ecke für pflanzliche Ernährung stehen auch vegan sind, sondern manche leider nur vegetarisch (Genaues Lesen lohnt sich also). Dann gibt es die Qual der Wahl bei Milchalternativen. Was ja an sich ganz gut ist, wenn man denn nur wüsste welche davon bitte am Besten im Kaffee schmeckt. Jaja ihr seht schon, da kam erstmal Einiges auf mich zu.
Zuerst war ich ziemlich erleichtert, als die Woche endlich vorbei war. Denn es war für mich schon eine ziemlich große Umstellung. Aber auch nach dieser Woche, ließ mich das Thema nicht los. Für die ganzen Blogger*innen schien es ziemlich einfach zu sein auf gefühlt Alles zu verzichten. Für mich war das aber (auch nur für diese eine Woche) ziemlich anstrengend. Ich bin ganz anders aufgewachsen und für mich gehörten Fleisch und Milchprodukte in alle täglichen Mahlzeiten. Aber etwas hat sich in meiner Denkweise verändert, oder besser gesagt, ist mir etwas bewusst geworden: Ich möchte keine Massentierhaltung unterstützen und wenn außerdem ein reduzierter Fleisch- und Milchproduktekonsum die Umwelt schont, muss ich in meinem Leben etwas verändern. Das Ganze ist für mich aber eher ein langwieriger Prozess während hingegen andere von jetzt auf gleich einfach so auf vegan umsteigen können.
In diesem Denk- und Veränderungsprozess hat mir bisher auch geholfen zu sehen, wie andere damit umgehen. Wie andere Menschen über Massentierhaltung, die Umwelt und die Ernährung denken. Wie andere über Dokumentationen wie „Cowspiracy“ oder „Seaspiracy“ zum umdenken gebracht wurden und und und…Ich finde es sehr spannend über meinen Tellerrand hinauszublicken, grade weil viele Menschen in meinem Umfeld sich mit dieser Thematik noch nie befasst haben. Es hat etwas inspirierendes und gleichzeitig erschreckendes, weil diese Thematik meine komplette bisherige Lebensweise in Frage stellt. Ich habe mir nur immer wieder gedacht, ich kann nicht einfach nur daneben stehen und ich möchte nicht für das ganze Leid der Tiere und auch der Umwelt verantwortlich sein.
Ich stehe noch ganz am Rand dieser Thematik, aber ich habe mir für’s erste vorgenommen meinen Fleischkonsum zu reduzieren. Heißt für mich nur 1-2 mal in der Woche Fleischgerichte zu kochen und auch z.B. bei Aufschnitt auf Fleischalternativen oder erstmal auf Käse (also vegetarisch) umzusteigen. Außerdem teste ich mich immer noch durch verschiedene Milchalternativen, vorallem für meinen heißgeliebten Kaffee. Vielleicht schreibe ich darüber nochmal einen extra Beitrag mal schauen!
Auch wenn es ein bisschen unbefriedigend ist, nicht direkt vegan oder komplett vegetarisch zu leben, habe ich meine Lebensweise schonmal ein bisschen verändert. Ich wäre gerne radikal und mache am liebsten alles direkt richtig, aber so funktioniert das (bei mir) nicht. Dafür sind meine Umgebung (Familie, Freunde, Kollegen), aber auch meine jahrelangen Ernährungsgewohnheiten ausschlaggebend. Grade Perfektionismus ist ein großes Thema, wenn es um Umwelt und Nachhaltigkeit geht, da man häufig Kompromisse machen muss. Was mir geholfen hat mich selbst nicht selber fertig zu machen(wegen meiner nicht so radikalen Entscheidung) war eine Bezeichnung zu finden, die meine aktuelle Ernährungsweise ausdrückt. Denn es ist blöd, wenn man weder zu den Veganern oder Vegetariern gehört, aber auch nicht mehr zu denen, die sich omnivor (allesfressend) ernähren. Nach kurzer Recherche kam dann der Begriff „Flexitarier auf“, der neben den ganzen Begriffen wie Pescetarier oder Fruitarier zu finden ist. Ich kann mich jetzt also erstmal als Flexitarier bezeichnen und das ist ein ziemlich gutes Gefühl, ganz im Gegensatz dazu, wie ich mich vorher gefühlt habe.
Kleines Fazit: Ich weiß noch nicht, ob ich es irgendwann schaffe, komplett vegetarisch oder sogar vegan zu leben, aber dieses Experiment hat mir auch gezeigt, dass nichts unmöglich ist. Ich kann mich erstmal als Flexitarier bezeichnen und muss mich mit niemandem vergleichen oder perfekt sein. Das Einzige was zählt ist, dass ich mit meinen Entscheidungen zufrieden sein muss (niemand sonst) und dass ich mein Bestes gebe.
Hast du dich schonmal mit dem Thema vegane oder vegetarische Ernährung beschäftigt?
Hinweis: Wichtig ist natürlich, dass man immer noch schauen muss, dass die Ernährung ausgeglichen ist. Wenn man also auf komplett vegan von jetzt auf gleich umstellt, sollte man das mit einem Arzt besprechen/Blutbild machen lassen/ Supplementieren etc…